Das sind meiner Meinung nach 4 solide Säulen, an die man sich richten kann, wenn man an die Ziele der Physiotherapie denkt. Die bauen sogar aufeinander auf. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich mich vor allem auf chronische Zustände spezialisiere, ganz einfach weil ich selbst meine chronischen Zustände habe und immer wieder den einen oder anderen schaffe in den Griff zu bekommen oder zu beheben. Allerdings NUR durch HANDLUNG. Wir müssen als Gesellschaft akzeptieren und unserem Spiegelbild eingestehen, dass ein chronischer Zustand das Resultat unserer Psyche und Umgebung ist.
Letztens las ich ein Artikel, in dem untersucht wurde, ob Nackenschmerzen unter anderem was mit ständigem Sitzen zu tun hätten… Come on… Hier noch eine weitere Studie mit folgendem verrücktem Ergebnis:
„Mit erstaunlichem Ergebnis: Am wenigsten wirksam war die Arzneitherapie.“ https://ifk.de/artikel/neue-nackenschmerz-studie
Wow, erstaunlich! Wer hätte das gedacht. Tatsächlich hätten das einige gar nicht gedacht – viele meinen immer noch, die Medikamente sind ihre Rettung. Und werden dann zu chronischen Patienten. Viele finden nicht die intrinsische Motivation, ihren Körper in Bewegung zu setzen… viele sind erstarrt und energielos. Und das ist leider ein schwerer, ein wirklich schwerer Zustand, den man nicht so leicht behoben kriegt. Aber auch nur, weil der Mensch nicht bereit dafür ist. Nicht bereit, diese Schwere loszulassen und sich gegen sie aufzurichten, denn sie wiegt viel zu viel. Sich gegen sie aufzurichten ist mit enormer Anstrengung verbunden. Und es gibt Menschen, die besser leiden können als andere. Viele sind so gar nicht resilient. Es ist mühsam, Zeit in solche Patienten zu investieren, die nichts außer eine Massage wollen und seit 30 Jahren in die gleiche Praxis zum gleichen Therapeuten gehen für die gleiche Behandlung. Mühsam, trist. Vielleicht einfach nicht meine Welt.
Und da kommen wir schon in diesen zwischenmenschlichen Zwiespalt – ich will, dass Energie fließt, ich will das Leben fühlen, lebendig sein und genau solche Menschen behandeln, die voller Leben sind. Nicht die Patienten, die in ihrem grauen Alltag gefangen sind, die nur jammern, sich nur beschweren. Ihr Leben besteht nur aus Problemen, Schuldzuweisungen, sie haben meist diesen trotzigen Ton, eine Million Schmerzen, nehmen noch mehr Tabletten, haben ständig Arztbesuche, bringen ständig Verordnungen in die Praxis… gut für die Praxis, Verordnung = Geld. Geld aus der eigenen Tasche für die Physiotherapie? Neee, sorry. Lieber 5 Packungen Stopftabak im Angebot bei Netto. Genau dieser Archetyp – mit ihm will ich nicht arbeiten. Und das ist mein gutes Recht. Denn es gibt viele, viel zu viele andere, die wirklich aktiv was verändern wollen. Wie viele Menschen in die Praxis kamen, weil sie sich bewegen wollen, tanzen wollen, aber unter dem Deckmantel der uralten Verletzung immer noch viel zu ängstlich sind, die Angst so doll abgespeichert, dass sie zu ihrer alleinigen Realität geworden ist. Mit diesen Menschen eine Treppenstufe zu steigen, und irgendwann die gesamte Treppe, ist der WAHNSINN. Sie freuen sich so sehr über die wiedergewonnene Autonomie. DAS ist Physiotherapie.